Wenn KI auf HR trifft: Ergebnisse des Berichts „EMEA HR Manager AI & Bias Pulse“

Hatten Sie schon mal das Gefühl, dass die Person, mit der Sie E-Mail-Verkehr haben, gar kein echter Mensch ist? Bei denjenigen, die derzeit auf Jobsuche sind, ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass der Großteil ihrer Interaktionen mit einem KI-System statt mit menschlichen Personalvermittler*innen erfolgt. In einem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld, in dem Personalverantwortliche dazu angehalten werden, mit weniger mehr zu erreichen, nutzen viele Unternehmen KI, um die Lücken zu schließen.
In dem Bericht von Greenhouse „EMEA HR Manager AI & Bias Pulse“ von 2023 wird erläutert, wie Personalverantwortliche sich KI zunutze machen, um die Effizienz zu steigern, um die am besten geeigneten und qualifizierten Bewerber*innen zu finden und Vorurteile zu reduzieren (oder sie zu erhöhen, je nachdem, wen Sie fragen!). Wir haben 1.700 Personalverantwortliche in Großbritannien, Deutschland und Irland befragt, um ihre Meinung zu dieser Trendtechnologie zu hören. Hier finden Sie unsere Ergebnisse.
Eins ist klar: (Fast) jeder experimentiert mit KI
Es ist verständlich, dass viele Personalverantwortliche gerne mit KI experimentieren: 89 % gaben an, dass sie derzeit KI-Tools in ihren Personalabteilungen verwenden, und 69 % sagten aus, dass sie diese Technologie mehrmals pro Woche, wenn nicht sogar täglich, einsetzen.
Wenn es darum geht, für welche Dinge HR-Profis KI verwenden, ist der mit Abstand größte Anwendungsfall die generative KI (59 %), gefolgt von digitaler Verwaltungssoftware (49 %) und Filterung der Lebensläufe (48 %). Und auf die Frage, wie viel Kontakt die Bewerber*innen mit einem KI-System statt mit menschlichen Personalvermittler*innen haben, gaben 46 % der Befragten an, dass alle oder der meiste Austausch über ein KI-System stattfindet. Nur 11 % der Befragten gab an, dass dies nie der Fall sei.
Ähnliche Ergebnisse haben wir in einer Greenhouse-Bewerberumfrage zu Beginn dieses Jahres gesehen: 48 % der Befragten gaben an, dass sie generative KI für die Jobsuche verwendet oder zumindest in Betracht gezogen haben. In derselben Umfrage gab mehr als ein Drittel (35 %) der Bewerber*innen an, dass sie es fair finden, KI zu verwenden, da Unternehmen wahrscheinlich KI verwendeten, um ihre Lebensläufe zu screenen.
Trotz der weit verbreiteten Akzeptanz ist das Misstrauen gegenüber der Technologie immer noch groß
Obwohl KI heutzutage immer häufiger eingesetzt wird, misstraut eine erhebliche Anzahl von Personalverantwortlichen der Technologie. Fast die Hälfte – 47 % der Befragten – gaben an, dass sie den KI-Einstellungstools nicht vollständig vertrauen. Und fast jeder zweite Befragte äußert sich besorgt über die extreme Abhängigkeit von KI, ohne dass es genügend menschliche Kontrolle gibt. Worin genau liegen die Bedenken? Etwa 40 % der Personalverantwortlichen sind der Meinung, dass KI zu einer Voreingenommenheit gegenüber historisch unterrepräsentierten Gruppen führt, und über ein Drittel (35 %) gab an, dass KI die falschen Entscheidungen in Bezug auf Bewerber*innen getroffen hat.
Der scheinbare Widerspruch zwischen breiter Akzeptanz und erheblichem Misstrauen kann auf die Vielfalt der verfügbaren KI-Tools zurückzuführen sein. Zur Erinnerung: Eine einfache Art, KI zu definieren, ist ein automatisiertes System, das eine Aufgabe ausführt, für die normalerweise menschliche Intelligenz erwartet wird. In einem kürzlich veröffentlichten Greenhouse-Webinar über KI und Vorurteile erklärte Samantha Lawrence, Senior Vice President of People Strategy bei Hired, dass die Hired-Plattform seit zehn Jahren von einem KI-Matching-Prozess unterstützt wird. Jackye Clayton, VP of Talent Acquisition and DE&I bei Textio, sagte, dass ihr Unternehmen KI nutzt, um Vorurteile in der Sprache zu identifizieren. Samantha betonte aber auch, wie wichtig es ist, Vorsicht walten zu lassen, wenn bei der Entscheidungsfindung KI zurate gezogen wird.
Wir dürfen nicht zulassen, dass KI der einzige maßgebliche Faktor bei Einstellungs- oder Entlassungsentscheidungen wird oder das einzige Instrument, das bei der Bewertung von Beförderungskriterien verwendet wird.
– Samantha Lawrence, Senior Vice President of People Strategy bei Hired
Der Effekt menschlicher Vorurteile kann nicht ignoriert werden
Personalverantwortliche zeigen sich besorgt darüber, dass KI möglicherweise Vorurteile in den Einstellungsprozess einbringen kann, aber wir können auch nicht das Offensichtliche ignorieren: die Tatsache, dass menschliche Vorurteile immer noch ein wichtiger Faktor bei Einstellungsentscheidungen sind. Eine große Mehrheit – 68 % der Befragten – gab an, dass die Ausbildung der Bewerber*innen ihre Einstellungsentscheidungen beeinflusst. Nur 12 % der Befragten sagte, dass die Ausbildung überhaupt keinen Einfluss auf ihre Einstellungsentscheidungen hat. Ebenso räumten 55 % der Befragten ein, dass Bewerber*innen, die einen ähnlichen Hintergrund wie sie selbst haben, ihre Einstellungsentscheidungen beeinflussen könnten. Dies unterstreicht, dass Affinitätsvorurteile eine große Rolle in der Personalbeschaffung spielen.
Diese Antworten zeigen, dass KI kein Gegenmittel gegen Vorurteile ist. Diese Verantwortung beginnt und endet beim Menschen. Wenn Sie nach Möglichkeiten suchen, Vorurteile in Ihrem eigenen Einstellungsprozess zu reduzieren,
können strukturierte Vorstellungsgespräche dazu beitragen, dass Ihre Einstellungsteams Entscheidungen auf Grundlage der Fähigkeiten und des Potenzials der Bewerber*innen treffen, in der Rolle erfolgreich zu sein, und nicht auf Faktoren wie dem Bildungshintergrund oder der Ähnlichkeit mit den Interviewer*innen.
„Auch wenn KI-Einstellungstools ein großes Potenzial haben, hat unser Bericht gezeigt, dass es immer noch erhebliche Bedenken hinsichtlich inhärenter Vorurteile gibt, die zu schlechten und unfairen Entscheidungen führen“, sagte Colm O’Cuinneain, GM of EMEA bei Greenhouse. „Unternehmen sollten bei der Einführung von KI für die Personalbeschaffung vorsichtig sein und dafür sorgen, dass es ausreichend menschliche Kontrolle und Transparenz gibt. Eine faire Personalbeschaffung erfordert akribische Sorgfalt und Structured Hiring Prozesse. Eine übereilte Automatisierung ohne menschliche Überprüfung wäre dabei der falsche Ansatz. Die Branche sollte sich Gedanken darüber machen, wie sie aufkommende KI-Tools nutzen kann, um die höchsten Standards für gerechte, inklusive und faire Einstellungen zu erfüllen.“
Wie schneidet Ihr HR-Team in Bezug auf KI, Vorurteile und andere Trendthemen wie kompetenzbasierte Einstellungen ab? In der PDF-Datei finden Sie alle Umfrageergebnisse.
